Sonntag, 2. Juni 2013

Kaufen, kaufen, kaufen - Sale, sale, sale


So nach drei Tagen Auszeit und Wochenende melde ich mich zurück. Nicht, dass ich mich ausgeruht hätte. Ich habe gearbeitet. Da war keine Zeit, um einen ruhigen Gedanken zu fassen und diesen mit Euch zu teilen. Nun aber, kurz vor Montag, einer neuen Woche voller Aufgaben, möchte ich einen weiteren Gedanken mit Euch teilen.

Ich möchte diesen Blog mit einer Idee, mit einem Satz aus meiner Kindheit beginnen. Nicht, dass ich jetzt erwachsen bin. Das wäre ja schlimm. Aber ich meine einen Satz aus der Zeit, als ich noch bei meinen Eltern gelebt habe. Mein Vater sprach dieses Satz meist aus, wenn mein Bruder oder ich uns gestritten haben und einer von uns sagte: „Das ist aber meins.“
Der Satz, der dann meist folgte war: „Mach mal Deine Augen zu, dann siehst Du, was Dir gehört.“
Dieser Satz sollte einem vielleicht einmal öfters durch den Kopf schwirren. Einige mögen es nun vielleicht schon erraten haben. Es geht um Konsum.

Gestern bin ich durch die Innenstadt von Hamburg geschlendert und habe all die Menschen gesehen, die durch die Läden schlenderten, auf der Suche nach etwas neuem, etwas, dass die Kauflust befriedigt. Dabei begegne ich Menschen, die aussehen als ob sie gerade aus einer Kleiderkiste für einen Fantasy-Film gekrabbelt sind. Nichts für ungut. Aber das was auf den Laufstegen dieser Welt getragen wird gehört doch nicht in die Stadt, oder? Aber egal. Um Kleidung werde ich ein anderes Mal etwas schreiben. Heute geht es allgemein um den Konsum. Und es wird auch nur ein kleiner Einstieg sein. Es gibt einfach zu viel zu diesem Thema zu berichten.

Ich möchte einmal auf das, wie ich finde, geniale Buch von Mark Boyle verweisen. „Der Mann ohne Geld“ beschreibt die Geschichte des Iren, der in Bristol lebt und ein Jahr auf Geld verzichtet hat. Ein Jahr. Mittlerweile lebt er, soweit ich es nachlesen konnte, immer noch ohne Geld. Mehr als drei Jahre. Ist das vorstellbar? Wie ich finde eine schöne, befreiende Idee.
Boyle schreibt über seine Höhen und natürlich auch Tiefen, die er erlebt. Was ich erstaunlich finde, er hat sogar ein riesiges Festival auf die Beine gestellt – ganz ohne Geld.
Wie oft jagen wir Dingen nach, die wir nicht benötigen. Ich möchte mich gar nicht  ausschließen. Ganz im Gegenteil. Es gab Zeiten, da gab es fast jeden zweiten Tag ein Paket von Amazon, das an meine Adresse adressiert war. Doch je mehr ich über das Buch nachdenke, desto mehr hinterfrage ich mein Konsumverhalten. 

Was brauchen wir wirklich?
Was ist wirklich wichtig?
Wie viel ist genug – ab wann ist es zu viel?

Auf diese Fragen kann ich noch keine Antwort geben. Es gibt aber Ideen, die versuchen Antworten zu geben. Zum einen gibt es da die Bewegung  der Minimalisten, die nur rund 100 Dinge besitzen. Könnt Ihr Euch vorstellen mit nur noch 100 Dingen zu leben? Ich denke es ist eine große Herausforderung, aber vermutlich auch eine große Befreiung. Wie viele Dinge haben sich all die Jahre angesammelt, die wir nie wieder in die Hand nehmen, wie viele Kleidungsstücke hängen in unseren Kleiderschränken, ohne das wir sie je wieder anziehen werden. Was also tun?

Es gibt mehrere Möglichkeiten. Zum einen natürlich einfach alles ausrümpeln und wegschmeißen. Das würde ich natürlich nicht empfehlen. Einige Dinge könnte man verwenden, um Dinge zu reparieren, wiederum andere Dinge wie etwa alte Kleidungen könnte man benutzen, um neue Kleidung herzustellen oder zu flicken. Persönliches Upcycling.
Wenn Ihr dennoch Dinge findet, für die Ihr einfach keine Verwendung mehr habt, schaut doch mal, ob Ihr sie nicht vielleicht weitergeben könnt, verschenkt, spendet. Klamotten zum Beispiel werden immer benötigt. Macht Euch aber schlau, wo und wem Ihr die Klamotten spendet. Es gibt Organisationen, die die Kleider dann weiterverkaufen, ohne dass die Spende dabei an die Bedürftigen gelangt.

Habt Ihr also Euren Dachboden, Keller oder das Zimmer aufgeräumt und ausgeräumt und merkt, Moment mal, den Schraubendreher, das Gesellschaftsspiel oder was auch immer, hätte ich doch noch gebrauchen können, am Wochenende kommen doch Freunde zu Besuch und wir wollten doch gemeinsam ein Spieleabend machen. Kein Problem. Leiht Euch doch einfach das Spiel. Einer Eurer Freunde hat es bestimmt.
Die Idee des Teilens wird in Zeiten des mobilen Zeitalters auch immer einfacher. Kürzlich kam die „whyownit“-App heraus. Dort könnt Ihr Eure Dinge, die Ihr zum Verleih anbieten möchtet hochladen und seht so auch, was Eure Freunde Euch ausleihen können. Ziemlich praktisch, wie ich finde. 

Und solltet Ihr Euch doch noch mal etwas eigenes anschaffen wollen, empfehle ich einen Tipp von einer meiner neuen Lieblingsseiten „Experiment Selbstversorgung“: Hier zum Thema Weniger als 100 Dinge: http://experimentselbstversorgung.net/weniger-als-100-dinge/
Einfach die Dinge auf eine eine Art Wunschliste schreibe, um zu sehen, ob der Wunsch und die jetzige Emotion nicht vielleicht dafür verantwortlich waren, dass wir dieses oder jenes gerade unbedingt haben wollen. Oftmals ist es einfach der Moment, der bestimmt, dass wir unbedingt etwas haben wollen. Sollte dann nach drei vier Tagen immer noch der Drang bestehen, diese Sache zu kaufen, versucht doch Amazon ein wenig zu umgehen.

 Es gibt genügend andere vergleichbare und zum Teil fairere (Arbeitsbedingungen) Optionen, die zudem auch noch nachhaltiger sind. Eine Liste findet ihr hier von einer weiteren Seite, die ich empfehlen kann: http://www.utopia.de/magazin/alternativen-zu-amazon

So das war noch kein großer Rundumschlag aber zumindest schon mal ein Anfang. Ich hoffe, ich konnte Euch ein wenig zum Nachdenken anregen. Das ist das eigentliche Ziel dieses Blogs hier. Ich hoffe Euch gefällt es nach wie vor. Mir macht es jedenfalls Spaß.
Und um noch mal auf den Eingangssatz zurück zukommen: Morgen gibt es noch mal etwas zum Thema Augen zu machen. Freut Euch drauf.

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