Samstag, 22. Juni 2013

Kein Auto - keine Freiheit?

Puh! Eigentlich wollte ich hier ja regelmäßig schreiben. Aber nachdem ich tatsächlich damit angefangen habe, für meine Bachelorarbeit zu recherchieren und im Labor zu stehen, war dann auf einmal doch keine Zeit mehr. Nun soll es aber doch wieder etwas regelmäßiger etwas über mich und mein Leben zu lesen geben.

Als vor knapp einem Monat der Anruf kam, dass mein Vater mein Auto benötigt, dachte ich erst, so ein Mist. Nun habe ich kein Auto mehr. Nicht, dass ich es vorher oft benutzt habe, wirklich benötigt habe. Und doch war es vom Gefühl her ein wenig so, dass ich glaubte, das es immer hilfreich ist ein Auto zu haben. Falls mal etwas ist.

Klar war da spätestens seit meinem Studienbeginn und dem Beginn des Bewusstwerdens über die Probleme dieses Planetens immer ein gewisses schlechtes Gewissen gewesen, wenn ich in das Auto gestiegen bin. Aber was ist schon ein schlechtes Gewissen? Die Autoren des Buches "Das Ende der Welt, wie wir sie kannten: Klima, Zukunft und die Chancen der Demokratie", Claus Leggewie und Harald Welzer, haben es in ihrem Buch bereits festgestellt (glaube, dass es die beiden waren, schau später noch mal nach) ein schlechtes Gewissen verhindert nicht, dass wir Dinge tun, von denen wir wissen, dass sie weder gut für uns noch gut für diesen Planeten sind. Wir finden Ausgleiche, die unser schlechtes Gewissen befriedigen. "Aber dafür verzichte ich doch auf,..." 

Warum sollte man überhaupt auf das Auto verzichten? Dies ist wahrscheinlich ein eigenen Blog-Eintrag wert. Ich möchte nur kurz etwas darber sagen. Laut Bundesumweltamt gehört Verkehr mit 18 Prozent zu einem größeren Gebiet, der CO2-Verursacher in Deutschland. CO2 wirkt sich negativ auf das Klima aus. Kann man Verkehr vermeiden, kann man auch unnötigen CO2-Ausstoß verhindern. Des Weiteren benutzen wir endliche Ressourcen, um uns den Luxus des eigenen Autos zu gönnen. Neben den Materialien, die zu Autoherstellung verbraucht werden, ist es vor allem der Treibstoff. Öl wird imer knapper. Das merkt man vor allem im Portmonnaie. Aber was man nicht bedenkt ist, dass das Öl viel besser verwendet werden könnte. Öl wird in vielen Bereichen benötigt. Zum Teil auch für die Herstellung wichtiger Medikamente. Und nicht zuletzt spielt natürlich auch die eigene Gesundheit einen nicht außer Acht zu lassenen Faktor. Die Abgase aus den Autos ist, neben dem CO2, nach wie vor eine Umweltverschmutzung, die sich schlußendlich auch auf die Gesundheit jedes einzelnen auswirkt. Mir ist bewusst, dass dies nicht alle Faktoren abdeckt und auch nicht grundlegend aufzeigt. Aber darum geht mir in diesem Beitrag auch nicht. 

Aber zurück zu mir und meiner Angst mit dem Auto auch mobile Freiheit abzugeben. Ist das wirklich so? Verlieren wir Freiheiten, wenn wir kein Auto mehr besitzen? Gewinne wir vielleicht sogar Freiheiten dazu? Ich kann nur von mir sprechen. Aber nun, einen Monat nach Abgabe des Autos geht es mir gut. Sehr gut sogar. Ich bin mittlerweile froh, kein Auto mehr zu besitzen. Es mag komisch klingen, weil es im Endeffekt ja nur eine logische Konsequenz eines bewussten Lebenstils ist, aber dennoch war dieser "externe" Einschnitt notwendig. Denn zuvor hatte ich mir immer gesagt, ja demnächst gibst Du das Auto Deinem Vater zurück. Bald. Irgendwann.

Man ist einfach zu bequem. Zu bequem sein Leben zu ändern. Zu bequem, wenn es heißt auf Komfort zu verzichten. Auf Luxus. Ich bin auch zuvor schon oft Bahngefahren. Fahrrad oder Skateboard. Autogefahren eigentlich nur, wenn es nicht anders ging, wie ich dachte. Wenn ich mal verschlafen habe und den Zug nicht bekommen habe. Aber das sind nur Ausreden. Eigentlich bin ich sogar doch öfter gefahren, als ich mir eingestehen möchte. Zum Einkaufen, weil ich nicht so schwer tragen wollte, zum Sport, weil, ja warum eigentlich? Eigentlich ziemlich bescheuert ins Fitnessstudio zu fahren, wenn auch der Weg mit dem Fahrrad zurücklegbar ist. Die Bequemlichkeit.

Warum ich froh bin kein Auto mehr zu haben? Ganz einfach. Ganz vorne steht natürlich nicht mehr Tanken zu müssen. Klar für längere Strecken, die ich mit der Bahn zurücklegen muss, benötige ich eine Fahrkarte. Also die Kosten decken sich, theoretisch. Denn ich habe durch mein Semesterticket ein Niedersachsenticket und komme damit bis nach Hamburg. Noch weitere Strecken zu Freunden nach Berlin oder zur Familie in München können ebenfalls mit der Bahn zurückgelegt werden und nehmen sich vom Preis nicht wirklich viel. Und da kommen wir schon zum nächsten Vorteil. Bahnfahren. Klar, sie kommt meistens unpünktlich, man ist auf die Abfahrtzeiten angewiesen und wenn man mal eine Bahn verpasst hat, muss man meist eine Stunde warten. Man fährt nicht alleine sondern zu Stoßzeiten mit vielen anderen Menschen. Das kann man nicht mögen, man kann sich aber auch damit arrangieren. Im allmorgendlichen Berufs-Stau ist man auch nie alleine. Pendler wissen, wovon ich rede.

Arrangieren? Ja, die Zeit nutzen, um mit Menschen ins Gespräch kommen. Heute zum Beispiel hatte ich eine nette Amerikanerin neben mir sitzen. Sie war auf dem Weg nach Bremen. Wir haben uns ein wenig unterhalten. Im Juli geht es für sie nach Berlin. Mit der Bahn natürlich. Im Auto hätte ich nie von ihr erfahren. Warum auch? Mag der eine oder andere fragen. Die Antwort ist für mich klar. Ich finde es spannend, interessant und für mich notwendig neue Menschen kennen zu lernen und zu treffen. Ich genieße die Erfahrungen, Eindrücke und Erlebnisse dieser Menschen, wenn sie davon berichten. Kann man doch von allem ein wenig für sein eigenes Leben lernen und mitnehmen. Offen sein für neues. Das lohnt sich.

Ein weiterer Punkt, warum ich Bahnfahren dem Autofahren bevorzuge ist, dass man nebenbei lesen kann oder ein Teil dieses Blogs schreiben kann. Man muss nicht auf den Verkehr achten. Dafür sitzt ein Lokführer im vorderen Teil des Zuges. Gerade auf längeren Zeiten finde ich es sehr angenehm, einfach zu lesen, zu schreiben oder wie eben berichtet mich mit den Mitmenschen zu unterhalten.

Klar, gibt es auch Dinge, die mich wirklich stören. Die Unpünktlichkeit ist nichtmal mein Problem. Zeit ist wie in einigen Blog-Artikeln zuvor nur illusorisch. Was mich stört, ist dass wenn ich Spätschicht habe und um Mitternacht aus der Redaktion zum Bahnhof eile, die letzte Bahn um 0.30 Uhr fährt und an "jeder Milchkanne" hält. Aber gut. Die halbe Stunde extra Zeit im Zug kann man auch mit Musikhören oder Lesen verbringen. Dies geht dann eben auch gegen die Bequemlichkeit. Und was sind 30 Minuten. Dafür komme ich sicher nach Hause und muss mich nicht übermüdet über die Autobahn quälen.

Eigentlich wollte ich es nicht an die große Glocke hängen, aber es passt gerade ein wenig zum Thema. Ich bin Anfang des Monats zum Helfen an die Elbe gefahren. Natürlich ohne Auto. Ich habe mir mein Rad geschnappt, die Route bei Google Maps eingegeben und losgedüst. Gut, dass da 25 Kilometer stand, hat mich schon ein wenig irritiert, aber das konnte mich nicht abhalten, nach Bleckede zu fahren, um Sandsäcke gegen die Flut zu befüllen. Es gab sogar einen Fernsehauftritt, was natürlich nicht Ziel meiner Aktion war, aber vielleicht den einen oder anderen meiner Freunde auch überzeugt hat, den Menschen zu helfen. (http://www.n-tv.de/mediathek/videos/panorama/Niedersachsen-bereiten-sich-auf-Hochwasser-vor-article10762646.html)

Der Weg war super. Super lang zwar, aber auch schön. Mein Navi wollte mich an der Landstraße entlang führen. Doch da gab es kein Rad- oder Fußweg. Deshalb bin ich dann Querfeldein gefahren. Durch den Wald und an Feldern vorbei. Sehr idyllisch. Und richtig, mit dem Auto wäre ich da nie langgefahren. Man entdeckt neue Wege. Die täglichen Wege werden wieder zu einer Reise, zu einem Erlebnis. 

Auch ich werde vermutlich nicht vollkommen auf das Auto selbst verzichten können. Sei es ein Umzug oder ähnliches. Dafür werden Autos benötigt. Ich möchte Euch auch nicht vorwerfen, wenn ihr Auto fahrt, dass ihr eben Auto fahrt. Was ich möchte ist, dass Ihr vielleicht, wie ich ein wenig zu der Erkenntnis kommt, solltet ihr oft mit dem Auto fahren, dass es auch anders geht. Das es sogar sinnvoller sein kann ohne Auto zu fahren.

Ich habe mir eine kleine Challange gesetzt. Nur noch Auto fahren, wenn es wirklich keinen anderen Weg gibt oder wenn sowieso gefahren wird. Damit meine ich Fahrgemeinschaften zu bilden. Ich selbst habe es noch nicht ausprobiert, aber viele meine Freunde schwören auf Mitfahrzentralen wie http://www.mitfahrgelegenheit.de/ , wo derzeit Gebühren erhoben werden. Eine kostenlose Alternative bietet fahrgemeinschaft.de. Auf http://www.utopia.de/produktguide/buero-schule-papier-2/mitfahrgelegenheiten findet ihr ein Paar Alternativen in einem Ranking. Vielleicht bietet Ihr ja auch mal eine Fahrt an. Oder lasst selbst das Auto mal stehen. Der Gedanke spielt erneut, wie in meinen letzten beiden Blog-Einträgen zum Teilen an. Car-Sharing ist ein weiteres Beispiel. Es ist nicht nötig sich selbst ein Auto zu kaufen. In einem Neuwagen stecken laut Vereinigung Deutscher Gewässerschutz je nach Größe und verwendeten Materialien bis zu 400.000 Liter Wasser.

In Städten wie Hamburg gibt es Leihfahrräder, wenn man sich nicht unbedingt ein Ticket für die S-Bahn oder U-Bahn, bzw den Bus kaufen möchte. Die erste halbe Stunde ist kostenlos. Danach kostet es rund 8 Cent pro Minute, maximal jedoch 12 Euro am Tag. Bin ich nicht mit meinem Skateboard in Hamburg unterwegs, dann meist mit dem Stadtrad. Eine schöne Alternative zur manchmal vollen S-Bahn.

Zum Trampen kann ich selbst nicht viel sagen. Ich selbst bin erst einmal getrampt. In Kanada. Das ging gut. Ich denke, es kommt immer darauf an, zu wem man ins Auto steigt und was man für ein Gefühl hat. Da sollte man sich auch ein wenig auf sein Bauchgefühl verlassen. Und ein möglicher Tipp vielleicht dazu, das Kennzeichen seinen Freunden schicken. Mark Boyle aus dem Buch "Der Mann ohne Geld" trampte zu Weihnachten mal zu seiner Familie und beschreibt, dass er dadurch auch viele neue Menschen kennengelernt hat. Genau also das, was ich oben beschrieben habe, was das Reisen zu etwas Besonderem macht.
Danke noch mal an Philipp Gloeckler für den Buchtipp über die Facebookseite von "whyownit" (https://www.facebook.com/whyown.it?fref=ts). Dieses Buch hat wirklich viel in mir verändert, bzw war auch mit ein Grund, warum ich dieses Blog eröffnete.

So ich glaube nun ist auch erstmal alles gesagt. Alles weitere folgt dann in den nächsten Einträgen. Freut mich, dass ihr wieder reingeschaut habt. Bis morgen. Da gibt es den nächsten Blog. Versprochen.
esen Sie weiter: http://www.utopia.de/magazin/mitfahrgelegenheit-de-ist-nicht-mehr-kostenlos-alternativen-bestenliste

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